
Berlin (kobinet) Schwangeren soll in Konfliktsituationen eine informierte, selbstbestimmte Entscheidung ermöglicht werden. "Wir wenden uns gegen den verbreiteten Automatismus, dass ein Abbruch vorgenommen wird, wenn bei der Pränataldiagnostik mögliche Schädigungen des Ungeborenen festgestellt werden", sagte Swantje Köbsell heute auf der Konferenz "Ein Netzwerk behinderter Frauen in Europa!", die noch bis Freitag in Berlin stattfindet.
Köbsell fasste die Ergebnisse zusammen, die unter ihrer Leitung in der Arbeitsgruppe "Umgang mit Pränataldiagnostik" zu der Fragestellung "In welchem Europa wollen wir leben?" erarbeitet worden waren. Auf der Konferenz tauschen sich 105 Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen aus 17 europäischen Ländern über ihre Erfahrungen aus, formulieren gemeinsame Forderungen und wollen sich in einem europäischen Netzwerk zusammenschließen.
Die Frauen in Köbsells Arbeitsgruppe waren sich darin einig, dass Schwangeren in Konfliktsituationen realistische Informationen über das Leben mit einem behinderten Kind vermittelt werden sollen. "Dabei müssen Betroffene einbezogen werden", so Köbsell. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen sprach sich für Unterstützungsstrukturen aus, die das Leben mit behinderten Kindern lebenswert und bereichernd machen.
Um diesen Zielen näher zu kommen, müssen nach Ansicht der betroffenen Expertinnen alle in der Schwangerenvorsorge Tätigen gezielt fortgebildet werden. Auch dabei seien die Betroffenen zu beteiligen. "Schwangerschaft und Geburt sind schließlich natürliche Lebensereignisse, die ohne Perfektionszwang und ohne übertriebenes Sicherheitsdenken erlebt werden sollen", betonte Köbsell. "Behinderung gehört zum Leben." sch