
Hannover (kobinet) Um zu bekräftigen, dass ein selbstbestimmtes Leben und Wohnen ein Menschenrecht ist, hat sich nun auch in Niedersachsen eine Initiative für ein Leben Daheim statt im Heim gegründet.
"Dass es auch für behinderte und ältere Menschen möglich ist, bis zum Schluss selbst bestimmt in den eigenen vier Wänden, statt in einem Heim zu wohnen, zeigt uns das Beispiel Schweden", sagte Silvia Schmidt, SPD-Bundestagsabgeordnete und Mitbegründerin der Initiative "Daheim statt Heim" bei einer Veranstaltung zum Start der Initiative in Niedersachsen am 3. Mai in Hannover. Anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung hatten sich mehrere Institutionen und Selbsthilfegruppen aus dem Sozial- und Bildungsbereich zusammengefunden, um in der Öffentlichkeit für eine selbstverständliche Teilhabe behinderter und älterer Menschen in allen Lebensbereichen zu werben und die Politik zur Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen aufzufordern.
Im Rahmen der "rollenden Volkshochschule", des vom Projekt "Die Gesellschafter" der Aktion Mensch geförderten, mobilen Workshops wurden mit dem Servicehaus "Gisela Richter" der Pestalozzi-Stiftung Burgwedel, dem Fokus e.V. Projekt Hannover - Kronsberg und der Wohn-Assistenz der Hannoverschen Werkstätten drei zukunftsweisende Projekte selbst bestimmten Wohnens in der Region Hannover vorgestellt. "In der niedersächsischen Bauordnung muss dazu wieder die Vorschrift zum generellen barrierefreien Bauen verankert werden, damit sich behinderte und ältere Menschen ohne Einschränkungen in ihren Wohnungen und im öffentlichen Raum bewegen können", forderte der Behindertenbeauftragte des Landes Niedersachsen, Karl Finke, auf dessen Anregung die Kooperation zur Unterstützung von "Daheim statt Heim" in Niedersachsen zustande kam.
"Als größter Sozialverband Niedersachsens gehen wir mit unserem Modellprojekt 'Pflege- und Wohnberatung - Hilfe aus einer Hand' neue Wege für selbst bestimmtes Wohnen", sagte Adolf Bauer, 1. Landesvorsitzender des Sozialverbandes Deutschland (SoVD), der Gastgeber der Veranstaltung mit über 70 Teilnehmern in seiner Landesgeschäftsstelle in Hannover war. Praktische Hinweise zum barrierefreien Bauen und Wohnen im privaten Bereich gab der Architekt Olaf Brokate vom Verein für barrierefreies Bauen "Stolperstein" in Hildesheim. "So etwas ist ohne größeren Aufwand kostengünstig möglich. Es muss nur von vornherein bei der Planung miteinbezogen werden", stellte der Experte fest.
Zum Abschluss der Veranstaltung verabschiedeten die Kooperationspartner einen gemeinsamen Aufruf zu mehr Unterstützung für mehr selbst bestimmte Wohn- und Lebensformen. Als ein Symbol für das von der neuen Initiative "Daheim statt Heim" geforderte selbst bestimmte Wohnen präsentierte der niedersächsische Behindertenbeauftragte Karl Finke ein vom Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) entwickeltes mobiles Papphaus, auf dem sich Fotos und Informationen aller von den Teilnehmern des mobilen Workshops besuchten selbst bestimmten Wohnprojekte wieder finden. omp