
Berlin (kobinet) Das Gipfeltreffen der führenden Industrienationen (G8) geht heute im Kempinski Grand Hotel von Heiligendamm zu Ende. Als die wichtigste Entscheidung für die nächsten zwei Jahre bezeichnete Bundeskanzlerin Angela Merkel den erzielten Klima-Kompromiss, die globalen CO2-Emissionen bis 2050 um mindestens die Hälfte zu reduzieren und dieses Ziel gemeinsam in einem UN-Prozess umzusetzen.
Der große Strandkorb von Heiligendamm soll nach dem Gipfel versteigert werden, von dem die meisten Deutschen inhaltlich kaum Impulse erwarteten. Drei Viertel der Bundesbürger (75 Prozent) gehen nach dem ARD-DeutschlandTrend nicht davon aus, dass das Treffen der Staats- und Regierungschefs in Heiligendamm einen wegweisenden Beitrag zu mehr Gerechtigkeit in der Welt liefern wird.
Beim Einsatz für eine gerechtere Welt wird nach der Umfrage des Senders auch die Bundespolitik vermehrt in der Pflicht gesehen. Die Hälfte der Deutschen (51 Prozent) findet, Deutschland tue nicht genug dafür, dass es in der Welt insgesamt gerechter zugeht. 43 Prozent sind anderer Meinung. In Deutschland selbst ist das Gefühl, dass es eine Gerechtigkeitslücke gibt, hingegen deutlich gesunken: Zwar ist nach wie vor die Hälfte (51 Prozent) der Ansicht, dass es in Deutschland alles in allem eher ungerecht zugehe, doch sind das 15 Punkte weniger als noch im April dieses Jahres.
Der frühere Journalist Fritz Teppich aus Berlin, Bruder der im Exil verstorbenen Mela Kempinski und damit eng verwandt mit der einstigen Hotel- und Gaststättendynastie, hat in der Berliner Zeitung die Wahl des Tagungshotels in Heiligendamm heftig kritisiert. Für den 87-jährigen Berliner ist die Geschichte der Enteignung der jüdischen Familie Kempinski der größte mafiöse Nazifall. Er meint damit gleichzeitig die Aneignung des Kempinski-Besitzes in den 50er Jahren. "Keiner von uns hat jemals einen Pfennig Entschädigung bekommen", sagt Teppich, der seit Jahrzehnten vergeblich um das Erbe seiner Familie kämpft. sch
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