
Delmenhorst (kobinet) Psychiatrie-Erfahrene behandelten das Thema "Zurück in Leben und Beruf" beim dritten Selbsthilfetag der Landesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener Niedersachsen.
Welche Möglichkeiten haben Psychiatrie-Erfahrene bei der Wiederkehr in Alltag und Beruf? Diese Frage stand im Mittelpunkt des dritten Selbsthilfetages der Landesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener, der am vergangenen Sonnabend im Evangelsichen Gemeindezentrum an der Lutherstraße in Delmenhorst stattfand. Gastgeber war Ronald Kaesler und die örtliche Selbsthilfegruppe Relax. In Arbeitsgruppen wurden am Nachmittag zu aktuellen Themen wie "Arbeit und psychische Belastung", "haben Psychosen einen Sinn?", "Zukunft der Gemeindepsychiatrie", "besondere Aspekte der Mediation" oder "Wie funktionieren unabhängige Beschwerdestellen?" bearbeitet.
Rund 50 VertreterInnen von Selbsthilfegruppen aus ganz Niedersachsen, wie Oldenburg, Huntlosen, Ganderkesee, Osnabrück, Hildesheim, Stolzenau, Lüneburg, Adendorf, Hannover, Göttingen, Goslar, Martfeld, Nienburg, Sulingen und aus Bremen und Bremerhaven sowie einzelne Betroffene und Angehörige waren gekommen, um sich eingangs über das EU-Projekt "EX-IN" zu informieren, welches Psychiatriepatienten als Experten in eigener Sache in der Psychiatrielandschaft beinhaltet, zu informieren. Während einer einjährigen Schulung sollen die Patienten darauf vorbereitet werden, in stationären Einrichtungen arbeiten zu können, um den dort untergebrachten Patienten eine begleitende Betreuung anzubieten.
Uwe Bening aus Oldenburg unterstrich bei seinem Vortrag die hohe Bedeutung einer solchen Betreuung, die schließlich dazu führen könnte, dass der Patient seine Schubphasen ohne Medikamente überstehen könne. "Wichtig ist, über seine Erfahrungen zu reden", sagte der Psychologe, der auch aus seinen persönlichen Erfahrungen heraus berichten konnte. Auch heute sei es noch so, dass Patienten am Rande der Gesellschaft gestellt würden, meist aus Unwissenheit und Angst ihrer Umgebung heraus. Das bloße "Wegsperren" und Ruhigstellen mit Medikamenten sei aber keine Lösung, sondern deckele das Problem nur. An dieser Stelle könnten Psychiatrie-Erfahrene, die in einer Krise befindlichen Menschen begleiten und somit wichtige Hilfestellungen für den Weg zurück in den Alltag geben. Momentan sei die berufliche Perspektive für Psychiatrie-Erfahrene in diesem Bereich aber noch schwierig. Häufig fehle es an Geld für dieses zusätzliches Personal. Und Ein-Euro-Jobs seien sicher keine Perspektive. omp