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29.09.2007 - 15:14

Aus kritischen Ereignissen lernen.

Berlin/Neuss (kobinet) Ein Meldesystem soll gegen Missstände in der Altenpflege helfen. Die Pflegenden sollen Erfahrungen aus der Praxis anonym austauschen können. Kritiker sehen in dem "Jammerportal" einen teuren Irrweg.

Unter dem Motto "Aus kritischen Ereignissen lernen" wurde das Online-Berichts- und Lernsystem vom Kuratorium Deutsche Altershilfe gestartet. Als Ziel dieser vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Initiative wurde genannt: "Wichtige Informationen, die sonst nur einer einzigen Pflegenden, dem Pflegeteam oder in der Pflegeeinrichtung zugänglich sind, werden damit allen Nutzerinnen und Nutzern des Systems und in Folge auch deren Kolleginnen und Kollegen sowie idealerweise auch ganzen Pflegeeinrichtungen zur Verfügung gestellt."

Die neue Internet-Plattform ist nach Ansicht ihrer Kritiker keine Hilfe für die Pflegekräfte. So beanstandete Werner Schell, Dozent für Pflegerecht und 2. Vorsitzender des Pflege-Selbsthilfeverbandes, "dass für ein solches Projekt öffentliche Mittel in Höhe von sage und schreibe 570.000 Euro bereitgestellt wurden". Regelrecht skandalös sei aber, dass Pflegekräfte systematisch aufgefordert werden, anonym gegen Pflegemissstände anzugehen.

Schell gab zu bedenken, dass bei anonymen Meldungen für die betroffenen Schreiber die Möglichkeit verloren geht, sich auf das Recht der freien Meinungsäußerung zu berufen. "Werden anonyme Schreiber später ausfindig gemacht (was bei bestimmten Beschreibungen nicht auszuschließen ist), können die Folgen noch rigoroser sein, als sie heute schon - ohne wirksamen staatlichen Schutz - sind", befürchtet der Selbsthilfeverband, der sich bundesweit als unabhängige und gemeinnützige Initiative für eine menschenwürdige Pflege einsetzt. sch

 

 
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