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kobinet-nachrichten
21.10.2007 - 00:56
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Tübingen (kobinet) Stephan Lorent lebt in Tübingen und nutzt bereits seit einigen Monaten das Persönliche Budget. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit dem Nutzer Persönlicher Assistenz darüber, was das Persönliche Budget für ihn bringt und welche Tipps er für Interessierte an einem Persönlichen Budget hat.
kobinet-nachrichten: Herr Lorent, Sie nutzen das Persönliche Budget. Wofür nutzen Sie es genau und welche Erfahrungen haben Sie bisher damit gemacht?
Stephan Lorent: Ich benutze das Persönliche Budget zur Finanzierung meiner Assistenten, die ich im Rahmen des Arbeitgebermodells eingestellt habe. Meine Erfahrungen mit dem Persönlichen Budget selber sind eher positiv. Jedoch hat es bei der Beantragung und Umsetzung Probleme gegeben. Während einer der Träger versucht hat die gesetzlichen Bestimmungen in meinem Sinne umzusetzen, hat ein anderer Träger versucht durch eine enge Auslegung und die Anwendung des Metzlerbogens Geld zu sparen. Der Metzlerbogens widerspricht meiner Ansicht nach allerdings den gesetzlichen Vorgaben der individuellen Beurteilung.
kobinet-nachrichten: Was bringt Ihnen das Persönliche Budget genau an Vorteilen?
Stephan Lorent: Das Persönliche Budget bringt mir den Vorteil, die Hilfen, die ich zu einem selbstbestimmten Leben benötige, selbst einkaufen und organisieren zu können. Ich kann selbst bestimmen, was ich wann, wo, wie lange, mit wem tun möchte.
kobinet-nachrichten: Was würden Sie anderen behinderten Menschen empfehlen, die ebenfalls überlegen, ein Persönliches Budget zu beantragen?
Stephan Lorent: Als aller erstes würde ich jedem, der das Persönliche Budget beantragen möchte, empfehlen, nicht ohne Beistand in die Gespräche mit den Ämtern zu gehen. Dieser Beistand sollte sich ein wenig mit den Bestimmungen des Persönlichen Budgets auskennen. Man sollte selber schon relativ genaue Vorstellungen über den Umfang des Persönlichen Budgets haben. Man sollte für sich selber überlegen, wie viele Stunden benötige ich im Durchschnitt täglich, und was sollte ich dafür bezahlen (mindestens 10 Euro brutto pro Stunde). Vor allen Dingen muss man sich bewusst machen, man hat ein Anrecht auf diese Leistungen und ist nicht Bittsteller.
kobinet-nachrichten: Wo sehen Sie Handlungsbedarf beim Gesetzgeber bzw. bei den Behörden, um die Nutzung der Persönlichen Budgets noch zu vereinfachen bzw. für behinderte Menschen attraktiver zu machen?
Stephan Lorent: Obwohl im Jahre 2008 das Persönliche Budget gelten soll, ist es bei vielen Betroffenen noch ziemlich unbekannt. Sonst müsste das Bundesministerium zur Zeit nicht diese Werbetour fahren. Natürlich ist es auch ärgerlich, dass die Anträge für ein Persönliches Budget ziemlich lange dauern können. Ich sehe auch ein großes Problem darin, dass die Freibeträge (690 Euro) sehr niedrig angesetzt sind. Durch diese niedrigen Freibeträge besteht die Gefahr, dass ein Partner sehr schnell für die Leistungen herangezogen werden kann.
kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.
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