
Mainz (kobinet) Im Mittelpunkt des diesjährigen Bundeskongresses der Deutschen Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen (DVSG) standen die Folgen der Ökonomisierung des Gesundheitswesens.
Wie Pressesprecher Ingo Müller-Baron mitteilt, hätten die Diskussionen verdeutlicht, dass "eine qualitativ hochwertige Erbringung von Gesundheitsleistungen wirtschaftlichen Kriterien standhalten" müsse. Viele Effekte des verstärkt postulierten Wettbewerbs im Gesundheitswesen trügen dazu bei, die Qualität der Leistungen zu mindern. Häufig werde Ökonomie nicht mehr im Interesse der betroffenen Menschen eingesetzt und demzufolge das solidarische Handeln der Gesellschaft in Frage gestellt.
In ihrem schriftlichen Grußwort betonte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, im deutschen Gesundheitswesen müsse die medizinisch notwendige und qualitativ hochwertige Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger sichergestellt werden. Hierfür seien Wirtschaftlichkeit und eine verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen die entscheidenden Bedingungen. Sie würdigte Sozialarbeit als "einen wesentlichen Beitrag zu einer qualitativ guten und zugleich effizienten Versorgung", die die unterschiedlichen Systeme der sozialen Sicherung verknüpfe. Die Sozialarbeit helfe mit, die Behandlungsprozesse Sektoren übergreifend aufeinander abzustimmen. "Dadurch rückt der Patient in den Mittelpunkt des gesamten Behandlungsablaufs, Schnittstellenprobleme können beseitigt werden".
Einigkeit habe unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Kongresses darüber geherrscht, dass eine konsequente Patientenorientierung das notwendige Regulativ sei, um der zunehmenden Kommerzialisierung und Kapitalisierung des Gesundheitswesens entgegenzuwirken. Dazu Ulrich Kurlemann, 1. Vorsitzender der DVSG: "Das Gesundheitswesen hat sich in allen Bereichen sehr verändert. Im Mittelpunkt der Neuausrichtungen stehen schon seit Jahren verstärkt wirtschaftliche Aspekte. Die zunehmende Ökonomisierung wird von vielen im Gesundheitswesen tätigen Berufsgruppen als Bedrohung empfunden. Ökonomie und Soziales sind aber keine Gegensätze, sondern sie bedingen einander". Ein nur noch an wirtschaftlichen Kriterien gemessenes Gesundheitswesen verstoße gegen das in der UN-Charta der Menschenrechte festgelegte Recht jedes Menschen auf Soziale Sicherheit.
Für Birgit Fischer, der ehemaligen Gesundheitsministerin Nordrhein-Westfalens und heutige stellvertretende Vorsitzende der BARMER Ersatzkasse (BEK) steht das Gesundheitswesen an einer Wegscheide mit der Gefahr die Gemeinwohlorientierung zu verlieren. Fischer: "Ökonomie und Soziales sind keine Gegensätze, solange ökonomisches Denken im Interesse der Menschen eingesetzt wird". Allerdings sei es derzeit so, dass strukturelle Aspekte und nicht die Interessen der Versicherten im Vordergrund stünden. elba