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09.11.2007 - 09:50

Rollstuhlfahrer will auf Berliner Fernsehturm.

Berlin (kobinet) Dem Betreiber des Berliner Fernsehturms droht möglicherweise ein Rechtsstreit. Der Bochumer Rollstuhlfahrer Arnd Hellinger will während seines Aufenthalts in der Bundeshauptstadt vom 16. bis 23. November auch dieses Wahrzeichen Berlins besuchen. Doch auf der Webseite des Berliner Fernsehturms hat Hellinger gelesen, dass Besuchern im Rollstuhl der Zugang zur Aussichtsplattform und zum Turmrestaurant in 207 Meter Höhe "aus Sicherheitsgründen" verwehrt wird.

Das empfindet der Bochumer wie viele andere Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind und deswegen von einem Besuch des am 3. Oktober 1969 in Betrieb genommenen Fernsehturms ausgeschlossen wurden, als eine massive Diskriminierung. Hellinger vermutet Probleme beim Brandschutz der Aufzüge zur Bauzeit, die jedoch durch die zum Jahreswechsel 1995/96 von der Telekom vorgenommene Grundsanierung gelöst sein sollten. Sie müssten nach seiner Ansicht gelöst sein, denn seit 1992 gelten Leitlinien zum Ausbau Berlins zur behindertengerechten (das heißt heute "barrierefrei") Stadt und seit 2006 schließlich das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Diese Vorschriften sowie das 1994 erweiterte Grundgesetz legen fest, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf.

In einem kobinet vorliegenden Schreiben fordert Hellinger die Turmbetreiber auf, den diskriminierenden Passus bis 14. November 2007 aus ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu streichen und behält sich anderenfalls vor, das Unternehmen per Gerichtsentscheidung dazu zu bewegen. Bisher liegt Hellinger keinerlei Reaktion der Verantwortlichen vor.

Sollte das Vorhaben des Bochumer Aktivisten zum gewünschten Erfolg führen, müsste allerdings auch das Foyer umgebaut und ein Aufzug zwischen Eingang und Kasse installiert werden. Bis dahin führt der einzig mögliche Weg für Rollstuhlfahrer durch den Personaleingang im Turmhof. sch


 

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Nadine Wilhelm schrieb am 09.02.2011, 21:59

kein reinkommen für Rollstuhlfahrer

Meine kleine Familie war in den Herbstferien 2010 in Berlin.Ich bin 27 Jahre alt und habe seit 2006 ms.Zuhaus kann ich noch sehr wenig laufen mit einer Unterarmstütze aber für lange Strecken brauch ich meinen rolli.zu den Tagen in Berlin,so waren die Tage sehr schön.Auser den Tag wo ich mich so sehr drauf gefreud habe.Ich wollte schon so lang auf den Fernsehtum.Aber wo wir vor der Kasse stanten und Karten hollen wollten.Hat die Kassenfrau gefragt ob ich one Rollstuhl laufen kann?Das ich die ganzen Treppen runterlaufen kann zwecks Feuer?Ich hab gesagt kann ein weng laufen aben nicht so weit.Wegen Sicherheitsgründen durfte ich nicht hoch.Aber die Anderen hätten gedurft.Aber mein Freund hat gesagt ohne meine Frau gehe ich nicht allein irgentwo hin.Ich war danach erleichtert das mein Freund nicht allein hoch gefahren is mit unsere Tochter.Aber einerseits war ich enteuscht das ich nicht da hoch durfte weil ich aufen Rollstuhl angewiesen bin.

Elke Middelhauve schrieb am 24.04.2010, 13:59

Wie ging's weiter?

Hallo!!!
Ich lese das hier gerade (fast 3 Jahre später), weil gerade eine Kinokette (CinemaxX) die bisherige, manuelle Hilfe bei Rollstuhlfahrern in ihre Säle mit Stufen verboten bekommen haben – aus brandschutzrechtlichen Gründen!!!
Weil wir so erbost darüber waren, sind wir nun bei unserer Recherche auf diesen Artikel hier gestoßen!
Und wüßten nun gern: Wie ist dieser Fall hier weitergegangen? Auf der Website des F-Turms liest man diese Diskriminierungs-Bestimmungen immer noch... –.– !!!!

Max Mütze schrieb am 16.11.2007, 10:18

Fernsehturm wird nicht verkauft

Der Berliner Fernsehturm wird nicht verkauft. Wie heute der Presse zu entnehmen ist, hält die Telekom an ihren Funkturmgesellschaften in Deutschland und den USA fest. Für die Funktürme wie den Berliner Fernsehturm hätte es zwar Interessenten gegeben. Doch ein Verkauf hätte aus Bilanzgründen keinen Sinn ergeben.

Telekom-Chef Obermann hat jetzt freie Bahn, damit seine Berliner Attraktion auch für Gäste im Rollstühl zugänglich gemacht wird.

Arnd Hellinger schrieb am 15.11.2007, 14:55

Keine wirkliche Alternative

Das kollhoff-Haus kenne ich und die dortige Aussichtsterrasse habe ich auch schon mehrfach besucht. Da es sich hierbei jedoch um eine offene Plattform handelt, ist sie gerade bei der jetzigen Wetterlage leider keine wirkliche Alternative zum Fernsehturm, zumal der dortige Schnellaufzug für manche Rollstühle zu klein sein dürfte.

Abgesehen davon geht es auch grundsätzlich darum, eine Attraktion der Bedeutung des Berliner Fernsehtturms barrierefrei zugänglich zu machen, was im Jahre 2007 n. Chr. eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Am 22.11.2007 findet zu diesem Thema eine Sitzung bei Martin Marquard, dem Landesbeauftragten für Behinderte von Berlin, unter meiner Beteiligung statt. Dort soll das weitere Vorgehen in dieser Sache abgestimmt werden.

Ingrid Stubenvoll schrieb am 15.11.2007, 12:15

Rollis am Fernsehturm

Auch wir waren mit einer Gruppe Behinderter dort und wollten hochfahren. Uns wurde gesagt, daß im Falle eines Brandes Rollstuhlfahrer nicht mehr evakuiert werden könnten.
Als Alternative wurde uns das Kollhoff-Gebäude am Potsdamer Platz genannt. Es war zwar nicht die Aussicht wie vom Fernsehturm aus, aber ebenfalls super schön. Und dort waren Aufzug und Sicherheit überhaupt kein Problem.

Max Mütze schrieb am 09.11.2007, 20:01

Für Hunde und Rollis verboten?

Arnd Hellingers Initiative ist viel Erfolg und vorher noch starker Beistand durch die Berliner Aktivisten zu wünschen. Martin Marquard hat in seinen Berichten als Behindertenbeauftragter schon mehrfach darauf hingewiesen, dass der verweigerte Zugang zum Fernsehturm Berliner wie Berlin-Besucher im Rollstuhl diskriminiert. Vor vielen Jahren konnte lediglich erreicht werden, dass ein Verbotsschild für Rollstuhlfahrer wegen der Ähnlichkeit mit dem Hundeverbotspiktogramm im Foyer des Berliner Fernsehturms entfernt wurde. Damals bezeichnete ein verantwortlicher Beamter aus der Senatssozialverwaltung „Feuerwehraufzüge“ als Lösung des Problems, für die er sich dann aber später nicht mehr einsetzen wollte. Ehe die Telekom den Turm verkauft, was schon mal im Gespräch war, sollte Telekom-Chef Obermann seine im „Ersten“ bewiesene Fernsehkompetenz einsetzen. Der in Berlin frisch Verliebte könnte der Öffentlichkeit gegen Ende des Europäischen Jahres der Chancengleichheit den lange erwarteten Zugang zum Berliner Fernsehturm für alle präsentieren.

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