Kobinet Logo
Druckversion
kobinet-nachrichten 12.11.2007 - 06:28
URL:
http://www.kobinet-nachrichten.org

Mehr Selbstbestimmung für behinderte Menschen in Bayern

.

Von kobinet-Korrespondent Keyvan Dahesch

Unerschließheim (kobinet) Die Landesbehindertenbeauftragte in Bayern, Anita Knochner, lobte die Segnungen des Persönlichen Budgets als einen wichtigen Beitrag zu mehr Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen in Bayern.

"Auf diese Erleichterung haben wir seit Jahren gewartet", betonte sie vor mehr als 500 Gästen aus allen Bereichen des politischen und wirtschaftlichen Lebens bei Unterschleißheim bei München. Anlass der Veranstaltung bildeten die Analyse des zu Ende gehenden Europäischen Jahres der Chancengleichheit, das dazu beitragen soll, sowohl die Öffentlichkeit als auch die Politik für die Chancengleichheit aller zu sensibilisieren und zu mobilisieren, sowie die Erörterung der Möglichkeiten des Persönlichen Budgets. Zum Jahresbeginn besteht für Menschen mit Behinderung die
Möglichkeit, das Persönliche Budget in Anspruch zu nehmen. Vom Grundsatz her bedeutet dies: Betroffene können statt der bisherigen Sachleistung eine Geldleistung erhalten und so ihre benötigten Hilfen in eigener Regie organisieren, betonte Knochner.

Ein gelungenes Praxisbeispiel konnte Franz Hagenauer von der Agentur für Arbeit in Rosenheim präsentieren: Einem jungen behinderten Mann wurde mit Hilfe des Persönlichen Budgets die Ausbildung zum Bürokaufmann in einer wohnortnahen Berufshandelsschule ermöglicht. Dem jungen Mann, bei dem zunächst aufgrund der Schwere der Behinderung eine Internatsunterbringung in einem entfernt gelegenen Berufsbildungswerk unumgänglich erschien, konnte Dank des Persönlichen Budgets ermöglicht werden, die benötigten Unterstützungsleistungen, insbesondere beim Gang zur Toilette, selbst "einzukaufen" und zu organisieren. Für ihn hatte das zur Folge, dass er in einer Einrichtung seiner Wahl, vor Ort, die Ausbildung durchführen konnte. Als positiven Nebeneffekt entfiel für den Kostenträger damit die wesentlich teurere stationäre Unterbringung.

Anita Knochner erklärte dazu: "Gerade im Bereich des Arbeitslebens sehe ich, dass das Persönliche Budget neue Anreize und Ideen eröffnen kann, haben doch gerade Werkstätten für Menschen mit Behinderung oder Integrationsfirmen gute Voraussetzungen, sich auf diese Form der Leistungsgewährung einzustellen und den lang geforderten Wunsch nach Selbstbestimmung für behinderte Menschen ernst zu nehmen." Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sei nicht eins zu eins auf Menschen mit Behinderung übertragbar. So waren im Monat Oktober diesen Jahres in Bayern 19.400 Menschen mit Behinderung ohne Arbeit. Im Jahresvergleich sank die Arbeitslosenzahl insgesamt um 21 Prozent. Die Arbeitslosenzahl bei Menschen mit einer Behinderung dagegen nur um 10,67 Prozent, einer der Gründe, nach Ansicht von Knochner, sich um die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen verstärkt zu bemühen.

Nahezu alle Kostenträger aus dem großen Bereich der Rehabilitation haben die unterschiedlichen Perspektiven während der Fachtagung beleuchtet und gemeinsam mit der Behindertenbeauftragten der Landesregierung und den zahlreichen Teilnehmern in einer Diskussionsrunde thematisiert. "Dass das Persönliche Budget eine Chance für behinderte Menschen darstellt ist nicht von der Hand zu weisen, es birgt aber auch Risiken. Diese können gering gehalten werden, wenn wir umfassend informieren und behinderte Menschen ermutigen, den Weg zu gehen, auf dem sie zwar mehr Verantwortung tragen, ihr Leben dadurch aber selber in die Hand nehmen. Besondere Verantwortung haben wir in diesem Zusammenhang für Menschen mit einer geistigen Behinderung. Hier müssen wir dafür Sorge tragen, dass der Anspruch auf eine notwendige Budget Assistenz ausreichend gesetzlich abgesichert ist, so dass auch diese Gruppe die Chance hat in ihrer eigenen Lebensgestaltung mitzureden", so Knochner. omp
 

  Follow @kobinetev
Empfehlen Sie diese Seite Ihren Freunden bei Facebook
nächste Nachricht >>
Leserbrief schreiben
Artikel versenden

© Kooperation Behinderter im Internet e.V.
Alle Rechte vorbehalten

Seite drucken
Zur Online Version