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kobinet-nachrichten 12.11.2007 - 16:20
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Taten für integratives Bildungssystem gefordert

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Düsseldorf (kobinet) Der Deutsche Kinderschutzbund und der Verein mittendrin forderten heute im Rahmen der Landespressekonferenz ein integratives Bildungssystem und einen sofortigen Stopp der Ausgrenzung von Kindern.

Die Landesregierung wurde von den Organisationen zum Handeln und damit zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen aufgefordert, die ein inklusives Bildungssystem verlangt. Es müsse endlich Schluss sein mit dem Aussortieren von Kindern in Sonderschulen, Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien: es müsse eine Chancengleichheit in der Bildung für alle Kinder in NRW geben.

"Das frühzeitige Aussortieren der Kinder beschneidet Lebensperspektiven", sagte Dieter Greese, Vorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes Nordrhein-Westfalen, "und das gängige Abschieben von Kindern auf die Hauptschule oder die Sonderschule fügt den betroffenen Kindern seelische Verletzungen zu. Das ist ein Schlag fürs Selbstbewusstsein, der die Kindern in ihrer Entwicklung dauerhaft zurückwirft." Der Besuch einer "normalen" Schule darf einem Menschen mit Behinderung nicht verweigert werden. "Die Bundesländer werden sich in ihrer Schulpolitik auf die internationale Rechtslage einstellen müssen", sagte Eva-Maria Thoms, Vorsitzende des Vereins mittendrin, der den Kongress "Eine Schule für Alle" unter Beteiligung vom Deutschen Kinderschutzbund, vom 16. bis 18. November in Köln veranstaltet.

Obwohl bereits am 30. März 2007 die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen (auf ein inklusives Bildungssystem) von der Bundesregierung unterzeichnet wurde, steigen die Zahlen der Schüler, welche auf die Sonderschulen geschickt werden. Hierbei geht es nicht nur um Kinder mit Behinderung, sondern auch um lernschwache oder schwierige Kinder. Schon in jungen Jahren werden die Weichen für eine Zukunft in der Behindertenwerkstatt, in Arbeitslosigkeit und Armut gestellt. Behinderte Kinder und Lernschwache landen in der Sackgasse. Dem sollte mit der UN- Konvention entgegengewirkt werden, doch nichts in Bezug auf Chancengleichheit passiert, kritisieren die Organisationen. Deutschland sei Schlusslicht in Europa, Nordrhein-Westfalen erreiche nicht einmal den Bundesschnitt. Es sei höchste Zeit zu handeln, erst recht jetzt im Europäischen Jahr der Chancengleichheit.

Allein in Nordrhein-Westfalen gehen nach Information der Organisationen 108.000 Kinder in Sonderschulen. Nach bildungspolitischem Konsens sollen behinderte Kinder zusammen mit nicht-behinderten Kindern in allgemeinen Schulen unterrichtet und dort gefördert werden. "Dieser Konsens wird in Deutschland komplett ignoriert. 87 Prozent der behinderten Kinder werden hierzulande in Sonderschulen unterrichtet, in Nordrhein-Westfalen sogar 91 Prozent. Wir sehen das als Ausgrenzung. Eltern, die für ihre Kinder Integration wollen, werden gezwungen sie in der Sonderschule anzumelden", so die Kritik der Verbände.

Die Landesregierung solle endlich das leisten, was national und international beschlossen wurde: die Integration behinderter Kinder in die allgemeinen Schulen. Die Landesregierung wird dazu aufgerufen, zum Vorreiter einer modernen Bildungspolitik zu werden und das internationale Recht auf inklusive Bildung als eines der ersten Bundesländer umzusetzen in einer Schule für Alle - mit bedarfsgerechter Binnendifferenzierung. omp
 

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Uwe Heineker schrieb am 12.11.2007, 18:45

Veranstaltungshinweis ...

... sehr passend zum Thema:

Lesung: „Botschaften aus der Sonderschule“

am Mittwoch, 14.11.2007 um 19.30 – ca. 21.30 Uhr

Geschäftsstelle Bündnis 90 / Die Grünen
Bahnstraße 50
45468 Mülheim an der Ruhr

In ihrer Dissertation, die 2007 unter dem Titel

„Ich schäme mich ja so! – Die Sonderschule für Lernbehinderte als Schonraumfalle“

veröffentlicht wurde, hat sich Brigitte Schumann *) mit den Kindern und Jugendlichen beschäftigt, die trotz ihrer besonderen Benachteiligung auch in den aktuellen bildungspolitischen Diskussionen unsichtbar bleiben. Ob über die Gemeinschaftsschule oder die Zweigliedrigkeit von Schule gestritten wird, an die Kinder in Sonderschulen wird dabei nicht gedacht.

Schüler und Schülerinnen, die in den allgemeinen Schulen Lernprobleme entwickeln und zu Schulversagern werden, werden als lern-„behindert“ eingestuft. Im Zentrum ihrer wissenschaftlichen Untersuchung stand für die Autorin die Frage, ob die Sonderschule, die heute Förderschule genannt wird, wirklich der bestmögliche Förderort für diese Kinder ist. Über schriftliche Befragungen und Interviews konnte sie den Betroffenen eine Stimme geben. Sie ermittelte, dass der Regelschulausschluss mit Scham verbunden ist, die das Selbstkonzept der Betroffenen negativ beeinflusst oder sogar bestimmt.

In der Lesung will die Autorin die Erfahrungen der Betroffenen über Zitate und Fallgeschichten als „Botschaften“ zur Sprache bringen. Die Autorin zieht daraus den Schluss, eine nicht aussondernde allgemeine Schule für alle zu fordern. In dieser wird jedes Kind in seiner Unterschiedlichkeit wertgeschätzt und auch unter Einbeziehung der Sonderpädagogik individuell gefördert.

*)

Anmerkung Uwe Heineker:

Brigitte Schumann unterrichtete mich früher in einem Mülheimer Gymnasium in den Fächern Deutsch und Englisch und fungierte später für Bündnis 90 / Die Grünen als NRW-Landtagsabgeordnete als deren bildungspolitische Sprecherin.

Luis Zubizarreta schrieb am 12.11.2007, 18:32

Geistige Entwiclung für alle

Es ist mir mehr als unverständlich,dass Kinder,die vorher in Einrichtungen ohne Diskriminierung gefördert wurden,vor der Aufnahme in die Förderschule :"Geistige Entwiclung" -nach dem neuen Schulgesetz NRW -mit "einer geistigen Behinderung" diskriminiert werden! Übrigens Schulen für Geistige Entwicklung sind für alle gut.Auch die sog.Profis-von Schulminister bis Schulräte- sollten sich geistig weiterentwickeln,damit sie die INDIVIDUALITÄT der Kinder nicht zerstören mit falschen und diskriminierenden Festlegungen,noch bevor diese kinder die Schule besuchen!

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