
Kassel (kobinet) "Wo leben Sie?" Dieser Frage geht das Netzwerk von Menschen mit Lernschwierigkeiten - Mensch zuerst - angesichts von verschiedenen Rückmeldungen aus Behinderteneinrichtungen nach.
"Herr Müller wohnt in einem Wohnheim für behinderte Menschen. Herr Müller erzählt, wie es in dem Heim zugeht. Das macht uns sehr traurig. Herr Müller hat uns einen langen Brief geschrieben. Der Brief hat 10 Seiten. Hier stehen einige Sätze aus dem Brief: 'Ich glaube, es gibt kein Haus in ganz Deutschland, was so unmenschlich geführt wird. Manchmal ist das Essen nicht zu genießen. Das Frühstück ist auf Marmelade und Margarine und Brot begrenzt. So genannte Betreuerinnen achten darauf, dass man sich nicht zu viel aufs Brot schmiert. Das Essen wir nach den Mahlzeiten immer verschlossen. Am Tag steht jedem eine Flasche Wasser zu, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgeteilt wird. Außer den Mahlzeiten, auch wenn ein Hungergefühl auftreten sollte, gibt es nichts.
Das Toilettenpapier wird auch eingeteilt. Um 16.00 Uhr gibt es Kaffee mit Obst. Hier wird sehr darauf geachtet, dass sich keiner 2 Stück Obst nimmt. Viele Bewohner haben Angst und gehen erst gar nicht zum Kaffee'", heißt es auf der Internetseite von Mensch zuerst.
Der Bericht schließt mit den Worten: "Arbeiten und lieb sein, anderes bleibt einem nicht. Wo leben wir?" Mensch zuerst fragt Sie nun: "Wo leben Sie? Ist es bei Ihnen anders?" omp
Briefe oder eine E-Mails dazu bitte direkt an
Mensch zuerst e.V.
So leben wir!
Kölnische Straße 99
34119 Kassel
E-Mail: henrik.nolte@people1.de
Link zum gesamten Bericht von Mensch zuerst
Gerhard Lichtenauer daheim-statt-heim.at schrieb am 22.11.2007, 10:31
Stationäre Einrichtungen wie die beschriebene, verstehen sich mit Sicherheit als adäquate Form der "Betreuung". Wie viele Hilferufe können nicht ausgedrückt werden, sind es tausende oder zehntausende, die nie an die Öffentlichkeit gelangen? Ist uns allen bewusst, dass es sich hier um elementare Menschenrechtsverletzungen handelt, die große öffentliche Empörung auslösen würden, handelte es sich um nichtbehinderte Menschen? Wo sind die "gesetzlichen Betreuer" (AT: Sachwalter) wo ist Zivilcourage der Gesellschaft. Ich habe den Eindruck, für Tiere in Tierheimen und in "nicht artgerechten Haltungen" gibt es mehr öffentliches und gesetzgeberisches Engagement als für Menschen in Aussonderungs- Ghettos, die wir nicht MITTEN UNTER UNS am Leben teilhaben lassen - wollen?