
Berlin (kobinet) Von der heutigen Eröffnung seiner neuen Bundesgeschäftsstelle in Berlin erwartet der Deutsche Gehörlosenbund bessere Rahmenbedingungen, um die Interessen von 80.000 gehörlosen Menschen in Deutschland zu vertreten. Um nach Eröffnung der Berliner Zentrale politisch handlungsfähig zu werden, bedarf es nach Ansicht von Medienreferentin Cornelia von Pappenheim noch Klärungen in drei Dingen.
Ersten geht es um eine umfassende Verantwortung für gehörlose Mitbürger, erfuhr kobinet von der Medienreferentin, die von München nach Berlin gekommen ist: "Unsere bundespolitische Arbeit betrifft alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens gehörloser Menschen, Bildung und Erziehung ebenso wie den Berufsalltag, nachhaltige Unterstützung für Jugend und Familien, aber auch Seniorenarbeit, lebenslanges Lernen oder Freizeitgestaltung. In jüngster Zeit wird uns allerdings nur noch eine projektbezogene, auf den Gesundheitsbereich eingeengte Förderung zuteil. Für eine umfassende und wirkungsvolle Vertretung der Interessen Gehörloser sind wir auf eine institutionelle Förderung angewiesen."
Zweitens sei ohne Dolmetscher keine Teilhabe möglich: "Politisches Gehör werden wir nur finden, wenn wir uns in der allgemeinen gesellschaftlichen Diskussion zu Wort melden können. Unsere Sprache, die Gebärdensprache, ist dafür hervorragend geeignet, wird aber von noch zu wenigen Hörenden verstanden. Teilhabe setzt daher Kommunikationssicherung durch Dolmetscher für uns voraus. Ohne eine Bereitstellung angemessener Mittel zur Finanzierung von Dolmetschleistungen bleiben wir aus dem politischen Geschehen ausgeschlossen."
Drittens müsse ein Bürgertelefon für Information und Beratung eingerichtet werden: "Um den von Hörenden und Gehörlosen an uns herangetragenen Informations- und Beratungsbedarf zu bewältigen, ist die Einrichtung eines Bürgertelefons erforderlich. Eine personell und materiell abgesicherte Informationszentrale verfügbar zu haben, würde uns erlauben, an den konkreten Bedürfnissen und Wünschen betroffener und interessierter Menschen anzuknüpfen und gezielt auf Lösungen und Verbesserungen hinzuwirken. Der Deutsche Gehörlosenbund positioniert sich mit der Berliner Zentrale in der Mitte unserer Gesellschaft und setzt sich für die verstärkte Berücksichtigung der Interessen gehörloser Menschen ein. Gehörlose sind aber keine bloßen Hilfeempfänger. Vielmehr sind wir davon überzeugt, das gesellschaftliche Leben mit unseren Erfahrungen und unserer Sprache bereichern zu können." sch
Cornelia von Pappenheim, Medienreferentin
Deutscher Gehörlosenbund, Am Zirkus 4, 10117 Berlin
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