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05.05.2010 - 15:31

Damit der Politik ein Licht aufgeht.

Berlin/Düsseldorf (kobinet) Eine Menschenkette vom Brandenburger Tor zum Reichstag forderte heute die rasche und gründliche Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen stand in Berlin wie bei weiteren an die 400 Aktionen in Deutschland unter dem Motto „Inklusion - Dabei sein von Anfang an“. Dies beginne mit der Erziehung und Gemeinschaft in der Schule, sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles auf einer Kundgebung vor dem Reichstag.

Mit der Weitergabe eines Lichtes in der Kette von mehr als 500 Menschen wollten die Veranstalter das Brandenburger Tor symbolisch mit dem Deutschen Bundestag verbinden und der Politik den Weg zur Inklusion weisen. Georg Schnitzler, Geschäftsführer der Lebenshilfe gGmbH in Berlin, betonte, dass die UN-Konvention nicht nur allgemeine Rechte formuliert, sondern sehr konkrete Maßnahmen beschreibt, die sich an der Lebenswirklichkeit behinderter Menschen orientieren.

„Auch wenn Deutschland die Behindertenrechtskonvention ratifiziert hat, heißt das noch nicht, dass uns unsere Rechte einfach in den Schoß fallen“, erklärte Dörte Gregorschewski vom Weibernetz und ging auf die Missbrauchsfällen gegen Kinder aus den 60er und 70er Jahren ein. Sie kritisierte, dass weder die Interessenvertretung behinderter Frauen noch ein Behindertenverband zu dem von der Bundesregierung eingesetzten Runden Tisch geladen wurden. „Und das, obwohl bekannt ist, dass Mädchen und Frauen mit Behinderung wesentlich häufiger Gewalt erfahren als Nichtbehinderte. Ca. 60% der Frauen mit Behinderung, die in Einrichtungen leben, haben bereits sexualisierte Gewalt erfahren. Das ist ein Skandal.“

Nachdem die UN-Konvention schon mehr als ein Jahr geltendes Recht in Deutschland ist, so äußerten sich Teilnehmer der Menschenkette gegenüber Passanten im Regierungsviertel, müssten Bund und Länder endlich handeln, damit aus der Behindertenrechtskonvention erfahrbare Wirklichkeit wird. Das gelte besonders für die schulische Inklusion, da beim gemeinsamen Lernen von Schülern mit und ohne Behinderungen die Bundesrepublik im Vergleich mit anderen europäischen Ländern zurückgeblieben ist.

Ein Inklusionsfest mit mehreren Tausend Teilnehmern auf der Düsseldorfer Landtagswiese machte vier Tage vor den Wahlen in Nordrhein-Westfalen klar, dass sich Kinder, Jugendliche und Eltern nicht länger mit losen Versprechungen abspeisen lassen wollen.

Auf der Wiese zwischen Landtag und Staatskanzlei hatten sich am Vormittag rund 3.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene – mit und ohne Behinderung – zusammen gefunden, um für gemeinsames Lernen in einer Schule für Alle einzustehen. Gegen Mittag wurde das Fest durch rund 2.500 Teilnehmer der bundesweiten Bildungsstreik-Demonstration verstärkt, die das Ziel eines „inklusiven Bildungssystems“ ausdrücklich unterstützten. sch
 

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Max Mütze schrieb am 05.05.2010, 16:09

Sicherheitsproblem Gulaschkanone

Bei der Kundgebung vor dem Reichstag mit Politikern von SPD, Grünen und Linken kam zwischendurch eine Lautsprecherdurchsage mit der Antwort auf die Frage "ihr habt doch über kobinet eine ‚Gulaschkanone' versprochen, wo ist die denn?":
"Aus Sicherheitsgründen musste sie beim Reichstag auf der anderen Straßenseite am Rande des Tiergartens positioniert werden. Es gibt Berliner Erbsensuppe mit Bockwurst."

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