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23.05.2010 - 00:58

Studie: Nur wenige wollen ins Heim.

Berlin (kobinet) Nur neun Prozent von über 6.200 Befragten können sich vorstellen, den letzten Abschnitt ihres Lebens im Heim zu verbringen. Das ist eines der aufschlussreichen Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung. Nach Ansicht der Bundesinitiative Daheim statt Heim sind die Resultate ein klarer Auftrag an die Politik.

Kernpunkt der Versichertenbefragung im Auftrag von COMPASS, der Pflegeberatung der privaten Krankenversicherer, waren nach Informationen der Bundesinitiative Daheim statt Heim die Bedürfnisse und Erwartungen der Menschen an die Pflege. "Die Ergebnisse bestätigen die Bundesinitiative Daheim statt Heim eindrucksvoll in ihren seit Jahren aufgestellten Forderungen: Lediglich neun Prozent der Menschen wollen ihren letzten Lebensabschnitt in einer stationären Pflegeeinrichtung verbringen. Eine Pflege im betreuten Wohnen/Servicewohnen können sich 18 Prozent der Befragten vorstellen. Im Umkehrschluss bedeutet das: 73 Prozent der Menschen wollen bis zum Schluss in den eigenen vier Wänden leben", heißt es auf der neu gestalteten Internetseite der Bundesinitiative Daheim statt Heim.

Mögliche Gründe für eine Heimpflege werden dem Bericht zufolge immer weniger akzeptiert, je älter die Befragten sind. Nur wenige der über 90-Jährigen können sich Vereinsamung als Grund vorstellen. Auch Verwirrtheit wird mit höherem Alter immer weniger als Anlass für einen Umzug ins Heim akzeptiert. Und noch ein Ergebnis ist bemerkenswert: 48 Prozent der Menschen fühlen sich schlecht oder sehr schlecht über das Thema Pflege informiert. Silvia Schmidt, Mitinitiatorin der Bundesinitiative Daheim statt Heim, erklärte zu den Resultaten der Untersuchung: "Die Politik muss endlich akzeptieren, dass Pflegeheime keine von den Menschen in unserem Land akzeptierte Wohnform sind. Stattdessen müssen wir den ambulanten Bereich ausbauen und dafür auch Geld in die Hand nehmen. Und wir müssen die Menschen besser über die Möglichkeiten einer individuellen Versorgung informieren. Pflege muss endlich den Menschen dienen und nicht umgekehrt." moh

Link zu weiteren Infos über die Studie
 

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Gabriel van Helsing schrieb am 28.05.2010, 03:09

es hat sich nichts geändert

Diese "Studie" hätte man sich ersparen können.
Aber jetzt haben es die Politike ja mal wieder schwarz auf weiß, dass fast kein Mensch in ein Heim will.
Jeder von diesen Befürworter sollte sich mal selbst fragen, ob er es sich vorstellen kann, in dies oder diesem Heim zu leben.

Ein grosses Makel haben diese Heime an erster Stelle.
Private und Wohlfahrtsverbände wollen mit ihren Heimen Rendite erwirtschaften.
Das geht nur, wenn diese Privaten Konzerne oder Wohlfahrtsverbände gute Heime vom Markt verdrängen.

Hier werden durch zig Heime unter einer Fahne, die Lieferantenpreise nach unten gedrückt.
Die Lieferanten spielen mit, da sonst Kunden verloren gehen.

Weiterhin kann man die Rendite erhöhen, indem Personal ausgedünnt wird.

Hierbei bleibt die Sauberkeit, Pflege und Zuwendung auf der Strecke.

Gisela Maubach schrieb am 26.05.2010, 11:07

Überlastung im Krankenhaus

Es ist bemerkenswert, dass die Empfehlungen zu einer Heimunterbringung häufig von dort kommen, wo man deutlich spürt, dass man als behinderter Mensch nicht willkommen ist.
Am Pfingstmontag habe ich meinen 23-jährigen Sohn zur Notaufnahme des Städtischen Krankenhauses gebracht, weil er sein rechtes Bein nicht mehr belasten konnte und er aufgrund seiner schweren geistigen Behinderung keine Angaben zur Art des Schmerzes machen konnte.
Um ihn vom Auto bis zum Untersuchungsraum zu bringen, wurde mir ein Rollstuhl zur Verfügung gestellt.
Nach etwa einer Stunde Wartezeit sollte mein Sohn einem Arzt einen Gehversuch demonstrieren. Also habe ich ihn vom Rollstuhl aus auf die Beine gehoben, wobei er das Gewicht auf das linke Bein verlagert hat.
Ohne meinen Sohn berührt zu haben, schickte der Arzt uns zum Röntgen.
Mit einem Bild der Hüfte kamen wir irgendwann wieder zurück, und es wurde festgestellt, dass das Röntgenbild keine Ursache des Problems erkennen ließe.
Wir sind dann nach Hause geschickt worden, wobei auf meinen Hinweis, dass wir zu Hause keinen Rollstuhl hätten, noch der Rat erteilt wurde, dass ich sowieso aufgrund der häuslichen Belastung eine Heimeinweisung in Erwägung ziehen sollte.
Ein Krankenhausaufenthalt sei nicht möglich, weil keine Ursache für Schmerzen zu finden sei, und falls es nicht besser werden würde, müsste ich über den Hausarzt ein MRT veranlassen.
Bemerkenswert ist, dass der Arzt meinen Sohn kein einziges Mal berührt hat (also hat auch keinerlei Untersuchung stattgefunden), aber in einem verschlossenen Umschlag einen "Kurzarztbrief" für den Hausarzt mitgegeben hat, in welchem von einem "Klopfschmerz Trochanter major re." die Rede ist und dass es "keinen Hinweis auf eine knöcherne Verletzung oder Luxation" geben würde.
Es ist schon erstaunlich, dass ein Arzt derartige Feststellungen ohne jegliche Untersuchungen treffen kann und dass er auch noch aufgrund eines Röntgenbildes und nach zweiminütigem Kennenlernen die Empfehlung ausspricht, in ein Heim zu ziehen . . .

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