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kobinet-nachrichten
22.05.2010 - 09:12
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Berlin (kobinet) Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen will neue Reserven im Flugverkehr für Reisende mit Mobilitätseinschränkungen erschließen. Den Anlass gibt die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA), die vom 8. bis 13. Juni noch einmal auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld stattfindet.
Wie Hubert Hüppe in einem Interview gegenüber der Berliner Behindertenzeitung äußerte, will er die Diskussion um die Verbesserung der Reisebedingungen in Flugzeugen für mobilitätseingeschränkte Menschen neu entfachen. Der Behindertenbeauftragte hatte gestern mit Vertretern der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft, Air Berlin, über dieses brennende Thema diskutiert. Konsens wurde darüber erreicht, dass zur stattfindenden ILA-Fachtagung „All inclusive - ökonomische Chancen im Luftverkehr für alle“ am 10. Juni Lösungsansätze für die Betroffenen debattiert werden. “Wir wollen gemeinsam nach neuen Lösungen suchen, um diese große Zielgruppe zu gewinnen ohne das eine einseitige wirtschaftliche Belastung erfolgt“, bekräftigte Hüppe im Interview. sch
Kay Macquarrie schrieb am 22.05.2010, 21:14
Wer sich erinnert: vor genau zwei Jahren hat die damalige Bundesbeauftragte Karin Evers-Meyer bereits zu einer solchen Fachkonferenz geladen. Auch damals gab es Erfahrungsberichte Betroffener, auch damals gab es Workshops und ganz konkret benannte Barrieren und Lösungsvorschläge.
Frage mich, was mit den Themen geschah, die damals intensiv diskutiert wurden und auf den Tisch kamen: Barrierefreies Buchen des Tickets, Ansprache des Reisenden mit Behinderung, Bordrollstuhl, Zugang und Größe der Toiletten...
Verschwanden die Ergebnisse in Schubladen?
Soll das Thema in diesem Jahr einfach wieder auf die Agenda gesetzt werden und alles von Neuem diskutiert werden? Oder gibt es einen Faktencheck, einen Vergleich 2008 / 2010?
Konnte man damals immerhin noch Delta Airlines für die Veranstaltung gewinnen, erscheint gemäß Programm in diesem Jahr keine einzige deutsche Airline. Aus Mangel an Interesse - scheinbar auch seitens der Lufthansa - lässt man jetzt die Deutsche Bahn zu Wort kommen. Auf einer Fachkonferenz für Flugverkehr?!
Diesmal werde ich aus beruflichen Gründen nicht dabei sein können. Ich bedanke mich bei allen, die das Durchhaltevermögen besitzen, immer wieder gegen die Ignoranz und Festgefahrenheit beim Thema barrierefreies Fliegen zu kämpfen.
Carsten Sporkmann schrieb am 22.05.2010, 14:49
Diese Meldung ist zwar wichtig, sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Flugverkehr eine von mehreren Baustellen im Kampf um die Barrierefreiheit ist! Statt also Reserven herauszufinden, müssen zunächst einmal Barrieren im Internet/am Telefon, am Boden und in der Kabine der Flieger selbst abgebaut werden! Zunächst wird der behinderte Fluggast über eine 01805er Servicenummer teuer "abgemolken", weil er seine besonderen Bedürfnisse nicht online über das Internet buchen kann (es ist ja keine Eingabemaske enthalten). Am Flughafen angekommen, müssen nach wie vor Sonderwege durch irgendwelche Katakomben mit entsprechendem Zeitmehraufwand beim Check-In durchfahren werden, bis ja der Flieger erst einmal erreicht ist. Und ist der besondre Gast (Rollifahrer) mal in der Kabine des Fliegers angekommen, wird er schön weit vorn beim Einstieg platziert. Also während des Fluges Wäscheklammer auf die Harnleitung stöpseln, damit ja nicht die sowieso nicht erreichbare Bordtoilette benutzt werden muss... Wo sind denn hier noch Reserven zu erschließen? Welche zusätzlichen zahlenden KundInnen sollen bei dem gegenwärtig vorherrschenden Service noch gewonnen werden? Wenn keine oder nur unzureichende Leistung bzw. Bordservice erbracht wird, muß eben etwas vom Flugpreis erstattet werden. Das könnte man allenfalls als Reserven erschließen verstehen.
Ach so: Die Damen sind natürlich ebenfalls mit angesprochen; die Ausführungen gelten natürlich für weibliche Fluggäste ebenso und sind nicht diskriminierend gemeint (ich vermochte so adhoc nur von meinem geschlechtlichen Standpunkt diese Beispiele bringen).
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