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kobinet-nachrichten
08.09.2010 - 10:04
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Von kobinet-Korrespondent Franz Schmahl
Berlin (kobinet) Die 50. Internationale Funkausstellung (IFA) geht heute in Berlin zu Ende. Sie sollte laut Eigenwerbung verraten, „wie Medienkonsum und Lebensalltag im Zeitalter von 3D und vernetztem Zuhause aussehen werden“. Besucher mit Behinderungen waren auf dem Messegelände unterm Funkturm unterwegs. Sie stoßen in den Medien ebenso wie in ihrem Lebensalltag auf Barrieren, die sie von gesellschaftlicher Teilhabe noch ausschließen.
Nachdem Kinohits im dreidimensionalen Bildformat für gut besuchte Filmtheater sorgten, zeigten in Berlin alle großen Hersteller ihre auf den Markt drängenden Geräte für das Heimkino mit 3D-TV. In der Sony-Halle gab’s die Brillen gleich am Eingang. Hier konnten die Besucher in Augenschein nehmen, wie modernste Aufnahmetechnik die Bilder mit der Tiefenwirkung auf eine Riesenleinwand brachte. Philips zeigte gar den Prototyp eines 3D-Fernsehers, der ohne Brille funktioniert.
Innovative Technik macht immer mehr möglich. Fraglich, was davon nötig ist, ob sich genügend kaufkräftige Nachfrage entwickelt und wie Verbraucher, die mit einer Behinderung leben, mit den neuen Produkten ihre Lebensqualität verbessern können. Bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern dürfte schon wegen der enormen Produktionskosten kaum mit 3D-Angeboten zu rechnen sein.
Doch das terrestrische analoge Fernsehen geht unwiderruflich zu Ende. In Deutschland wird es am 30. April 2012 abgeschaltet, was in den USA und neun europäischen Ländern bereits geschehen ist. Barrierefreiheit im digitalen Fernsehen ist für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) ein wichtiges Thema, war von Bettina Heidkamp-Tchegloff am Messestand „Digitale Welt“ der ARD zu erfahren.
Sie hat in einem europäischen Projekt mitgearbeitet, in dem die vielfältigen neuen Möglichkeiten mit der Fragestellung ausprobiert wurden: Sind die neuen Angebote aber auch nutzbar für alle, ungeachtet von Alter oder Behinderung? Sind es vielleicht gerade die besonderen technischen Möglichkeiten des digitalen Fernsehens, die behinderten oder auch älteren Menschen einen verbesserten Zugang zum Fernsehen bieten könnten?
Das europäische Projekt DTV4All hat aufgezeigt, wie Barrierefreiheit im digitalen Fernsehen aussehen könnte. Die technischen Möglichkeiten wurden von behinderten Nutzern aus Berlin und Brandenburg getestet. Die Oberfläche ist also da. Jetzt muss der Inhalt kommen mit Untertiteln, Gebärdensprache und Audiodeskription. Zu dem auch auf der IFA diskutierten Thema Befreiung von Rundfunkgebühren oder nicht, ist dem Wort eines Frankfurter Rollstuhlfahrers nichts mehr anzufügen: Nachteilsausgleich ist nicht mehr nötig, wenn es keine Nachteile mehr gibt.
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