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Leserbriefe.

Zu "Lebenshilfe kritisiert Liste der Grausamkeiten", 24.08.2010 - 12:31 (zum Artikel).

R. Tripp schrieb am 24.08.2010, 22:39

Folgen nicht bedacht

Seit etlichen Jahren bin ich in der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen beschäftigt. Ich habe die Zeiten noch erlebt, als mehrere "Heimbewohner" zusammen in einem Zimmer wohnen mussten. Diese Situation wird oft mit einem Krankenhausaufenthalt verglichen, da schlafen ja auch schließlich mehrere Patienten in einem Zimmer. Wenn man aber das ganze Leben - vielfach ohne wirklich selbst gefragt zu werden - mit einem anderen Menschen so eng zusammenleben muss, ist das etwas anderes. Man hat keine wirkliche Intimsphäre mehr, keinen Raum für sich alleine, an den man sich zurückziehen kann, an dem man seine Ruhe findet. Ich habe es zwar nicht wissenschaftlich untersucht, meiner Erfahrung nach haben sich aber etliche so genannte "Verhaltensauffälligkeiten" erheblich reduziert oder sind verschwunden, seit die Leute für sich alleine wohnen können.

In dem Zusammenhang denke ich an eine Situation zurück, bei der zwei Männer in einem Zimmer zusammenwohnten, in dem es immer wieder unordentlich war - beide waren halt "Chaoten". Auch bei entsprechender Unterstützung hielt die Ordnung nie lange vor. Als die beiden endlich in eigene Zimmer gezogen waren, stellte sich heraus, dass der eine von beiden sehr auf ein gemütliches, aufgeräumtes Zimmer wert legte. Und ihm hatte man zugemutet, etliche Jahre mit seinem Mitbewohner zu verbringen, der einen ganz anderen Lebensstil pflegte.

Natürlich sollte man die Möglichkeit zulassen, dass zwei Menschen, wenn sie es möchten, zusammen wohnen können, zum Beispiel als Freunde oder als Paar. Das sollte aber nicht zwangsweise für alle gelten.

Ohne die vorgelegte Liste im Detail zu kennen, steht zu befürchten, dass die angedachten Maßnahmen dazu führen werden, dass die Würde der Betroffenen missachtet wird und sich ihre Lebenssituation verschlechtert. Das ist einem Land, das zum einen die Behindertenrechtskonvention ratifiziert hat und in dem zum anderen vergleichsweise viel Geld zur Verfügung steht, nicht würdig.

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